„Dubai ist eine sehr außergewöhnliche Stadt, mit noch viel Potential nach oben“, meint Thomas Wos kürzlich in einem Interview. Der Wahl-Schweizer ist Investor und gleichzeitig auch Experte für das Geschehen am Immobilienmarkt der Vereinigten Arabischen Emirate. Darum weiß er auch bestens Bescheid über die momentane Krise in Dubai, einem der sieben Emirate. Denn auch wenn Dubai noch immer als eine der sehenswertesten und modernen Städte zählt, beginnt es merklich zu schwächeln. In den letzten Monaten mussten einige Bauprojekte gestoppt, oder ganz auf Eis gelegt werden.

Die Besonderheit Dubais

Dass eine der modernsten Großstädte der Welt inmitten der Wüste liegen wird, hat wohl vor einigen Jahrzehnten noch niemand für möglich gehalten. Doch gleich mehrere Städte der Vereinigten Arabischen Emirate zählen heute gerade auch wegen der nahen Lage zur Wüste zu den beliebtesten Reisedestinationen weltweit. Dubai und Abu Dhabi, die wohl bekanntesten Städte, überzeugen beide durch das türkisblaue Meer, die schönen Strände und die luxuriösen Hotels und Shoppingmöglichkeiten. Wer einen Urlaub in Dubai bucht, bucht Ferien mit Sonnenschein Garantie. In Dubai leben ungefähr 1,8 Millionen Menschen. Verglichen mit Wien, einer Stadt, die ungefähr eine gleichhohe Einwohnerzahl hat, haben die Bewohner Dubais aber mit 4114 km² zirka das zehnfache an Platz.

Dubai zählt nicht ohne Grund zu den modernsten Städten der Welt. Es ist die Heimat des Burj Khalifa, dem höchsten Bauwerk der Welt. Das Metronetz des Stadtstaates wurde innerhalb von knapp vier Jahren auf die volle Größe ausgebaut. Außerdem sind sie sogar fahrerlos bedienbar. Eine der wohl umstrittensten modernen Bauwerke Dubais ist Jumeirah, eine künstlich errichtete Insel in Form einer Palme. Auf ihr findet man über 1400 Luxushotels. À propos Luxus, mit Märkten, auf denen man teilweise über 300 Juweliergeschäfte findet, ist Dubai auch ein Shoppingparadies für Superreiche. Wer das nötige Kleingeld hat, kann in der Metropole auch Kamelritte in die Wüste buchen.

Doch Achtung, in Dubai gelten teils wesentlich strengere Gesetze als in Mitteleuropa. Alkohol ist ungern gesehen, am Steuer absolut tabu. Es gibt keine Toleranzgrenzen, wer Alkohol im Blut hat und Auto fährt, wird bestraft. Außerdem gibt es strenge Regeln bezüglich dem Austausch von Zärtlichkeiten und dem Tragen von angemessener Kleidung. Bevor man einen Urlaub nach Dubai bucht, sollte man sich mit den Regeln des Stadtstaates auseinandersetzen.

Immobilien- und Tourismuskrise in Dubai

© Thomas Wos

Dubai bereitet sich eigentlich gerade auf die EXPO-Weltausstellung im nächsten Jahr vor. Doch irgendwie scheint momentan in Dubai in Sachen Immobilienerrichtung nichts mehr wirklich zu klappen. Einige Großprojekte, unter anderem der Ausbau des Flughafens „Dubai World Central“, wurden eingestellt. Allein in den Ausbau des Flughafens steckte die Regierung mehr als 30 Milliarden Dollar. Dass das Projekt jetzt auf Eis gelegt wurde, ist auch ein finanzieller Verlust. Eigentlich hätte der Flughafen ein weiteres Prestigeobjekt Dubais werden sollen. Mit sechs Bahnen und einer Reisekapazität von einer Viertel Milliarde Menschen im Jahr. „Dass der Ausbau des Flughafens nun gestoppt wird, ist auch für die Hotelketten ein Desaster“, meint Thomas Wos, der in den letzten Jahren zusammen mit seiner Frau Jennifer Wos selbst eine Hotelkette eröffnet hat. Das stimmt, denn die Preise für eine Hotelübernachtung sinken rasant. Von April bis Juni waren nur rund 67% der Hotelbetten Dubais belegt – eine Rekordrate seit der Finanzkrise vor zehn Jahren. Daraus ziehen viele renommierten Hotels schon jetzt ihre Konsequenzen. Viele Hotelmarken, wie Hilton und Intercontinental, haben ihren Hotelausbau in Dubai gestoppt. Nun stehen viele Hotelbesitzer vor halbfertigen Hotels, und niemand weiß, ob sich eine Fertigstellung überhaupt noch lohnt.

Ein weiterer Aspekt, der die Hotelbauer stutzen lässt, ist, dass die Immobilienpreise in Dubai seit dem Jahr 2014 um knapp 30% gefallen sind. „Der Scheich Mohammed bin Rashid Al-Maktoum hat zwar persönlich angekündigt, dass sich ein Komitee darum kümmern wird, dass in Dubai zukünftig Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt werden, doch kaum jemand sieht dahinter die Lösung des momentanen Problems“, meint Thomas Wos. Er hat mit seiner Firma WOS Swiss Investments AG ja selbst viel in den Immobilienbau in Dubai investiert, weswegen sich die Krise auch maßgeblich auf ihn persönlich auswirkt.

Inwiefern Dubai wieder zu seiner alten Form zurückfinden wird, bleibt offen. Sicher ist nur, dass die neuesten Entwicklungen, beispielsweise dass einige Reedereien angekündigt haben, Dubai aus dem Plan für Kreuzfahrten zu streichen, die momentane Situation gewiss nicht verbessern wird.